Michael Engelhardt : Hölderlin

„Geh mit der Kunst in deine allereigenste Enge. Und setze dich frei „
Paul Celan 1960

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Ludwig van Beethoven und Friedrich Hölderlin.

Komposition aus Klang und Erwartung, aus Erfahrung und Laut.

Bildmontage: Engelhardt ©© creative commons

Wir werden so überladen mit falscher, gebogener, und uneigentlicher Sprache, dass die Begeisterung an sprachlicher Exzellenz, verbunden mit herzlich-reiner Empörung, zur Zeit dringend geboten scheint.

Es gehorchen aber die Sänger den Zeichen

Wenn es gelingt, die mannigfaltigen Beziehungen von Bedeutung, Sinn, Metapher, Anspielung und Name, dieses lebendige Spinnennetz aus Wort und Gedanke, nicht ins Gehirnareal für gespeichertes Wissen zu leiten, sondern, wenn es gelingt, Rhythmus und Klang, sich wiederholende Muster, Eröffnungen und Durcharbeitungen des klang-sprachlichen Materials dergestalt neben, unter , vor oder auf den zu erfassenden semantischen Inhalt zu legen, sodass intuitiv, ohne Vorwissen oder Vorbildung ein ästhetisches Sprachgefüge erlebend entsteht, das einen intelectualen Rhythmus (Gefäß, Flussbeet, Strom) zeugt (zeigt), dann wäre der sprachliche Gesang gelungen.

Hölderlins Zeit im Sprachgestus war dem Erhabenen verpflichtet. Und nicht nur stilistisch, auch inhaltlich (er)fand er pointierte, neue Mythen, poetische Narrative (ein Spiel um Vernunft, Verstand und Saage). Diese Spiele mit dem Material werden heutzutage von Spezialisten zu entschlüsseln versucht, doch dem Volk ins Lied gehüllt die himmlische Gabe zu reichen, ist ein anderes Unterfangen, ist Waagniß.

Sonst ward der Schwärmer doch ans Kreuz geschlagen,
Jetzt mordet ihn der sanfte kluge Rath.

Und darum fürchten sie auch den Tod so sehr, und leiden, um des Austernlebens willen, alle Schmach, weil Höhers sie nicht kennen, als ihr Machwerk, das sie sich gestoppelt.

An das Göttliche glauben
Die allein, die es selber sind.

spitzbübisch schnakisch lächeln, wenn dem Menschen seine kühnsten Hoffnungen erfüllt werden
.

Wo die Natur sehr einfältig,
Wo die Berg erhaben stehn,
Geh ich heim zulezt, haushältig,
Dort nach goldnem Wein zu sehn.